Überlegungen beim Immobilienkauf

Ist ein Hauskauf immer sinnvoll ? Ein paar Überlegungen

Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben, die Freude groß, und die F.´s gehen beherzt die Suche nach einem geeigneten Wohnraum an.
Schnell stellt sich Ernüchterung ein: Das Angebot in der Umgebung des neuen Brötchengebers ist mager, die Mieten horrend und für einen Besichtigungstermin muss die komplette Vita auf den Maklertisch. Schließlich steht man mit 40 weiteren Interessenten vor der „lichtdurchfluteten 3 Zimmer Wohnung in ruhiger zentraler Lage“ – und weiß, dass man verloren hat. Auch eine Anpassung der Wohnwünsche nach unten (etwas weniger ruhig, zentral und lichtdurchflutet) hilft nicht so recht weiter, und die Fragen nach Kinderwunsch oder Haustierhaltung nerven.
Zum Glück bieten die einschlägigen Suchmaschinen Alternativen an: Eigentumswohnung, monatliche Belastung 950€ – das wär doch was?F.´s machen Kassensturz und einen Termin bei der Hausbank – siehe da, der Kredit würde zu einem sagenhaften Zins von 1,05% genehmigt, das Betongold scheint in greifbare Nähe zu rücken.
Frau F. ist Krankenschwester, sicher bekommt sie mühlos Arbeit am neuen Wohnort. Herrn F. winkt ein ordentliches Einstiegsgehalt, und notfalls opfert man den Skiurlaub oder die Flugreise nach Asien – man weiß ja wofür. Bei 4000€ pro qm müssen 2 Zimmer eben reichen und ein Ostbalkon ist doch auch ganz schick. Immerhin verlangt der Bauträger keine Provision …
Kurzes Schwindelgefühl bei der Aufrechnung der Erwerbsnebenkosten weicht der Euphorie bald Eigentümer zu sein, es folgt der Notartermin und die Sache ist geritzt.Um atemberaubende 60% sind die Preise gestiegen in den letzten 6 Jahren, da hat man ja gerade noch einmal Glück gehabt. Tatsächlich?

Die geringe Belastung ist zumeist auch einer geringen Tilgungsrate geschuldet, entsprechend hoch ist die Restschuld am Ende der Zinsbindung. Die Immobilie wird ihren Wert dann nicht verdoppelt haben, Frau F. ist inzwischen in Elternzeit, die Karriere des Gatten stagniert schon geraume Zeit und eigentlich ist jetzt alles etwas beengt. Wenn man das damals nur bedacht hätte …

Viele Immobilienkäufer blicken nur auf den Ist-Zustand und vergessen die Distanz, die ihnen die Anschaffung abverlangen wird.
Nur weil es „jetzt geht“ ist der Erwerb zu einem unvernünftig hohen Preis keine zukunftsfähige Entscheidung, der Rat heute schon an morgen zu denken (und am besten auch gleich an überübermorgen!)ein guter. Was damals smart erschien („kaufen statt mieten“) erweist sich sonst womöglich nach und nach als problematisch.
Hohe Geldsummen sind zudem auf lange Zeit gebunden und verhindern andere Investitionen, womit inflationäre Kreditvergaben für Immobilien auch volkswirtschaftlich missliebige Auswirkungen entfalten.

Wichtigste Überlegung daher vor der Kaufentscheidung: Wo stehe ich in 10, 15 Jahren? Was geschieht im Falle eines weiteren Wohnortwechsels, ist dann das Beton noch Gold wert oder nur ein Klotz am Bein? Eignet sich das Objekt auch noch, wenn ich eine Familie gründe, kann ich mir die Annuitäten leisten, wenn ein Verdienst ausfällt?

All diese nicht angestellten Überlegungen münden im schlimmsten Fall in einem jetzt schon häufig auftauchenden Inserat: Zwangsversteigerung.
Schicksale können dahinter stecken, zerbrochene Träume von lebenslangen Beziehungen, glänzenden Berufsaussichten, robuster Gesundheit – aber auch ganz simpel eine vorschnelle Entscheidung durch veränderliche Parameter, die zum Zeitpunkt des Kaufes einfach ideal erschienen.

Insbesondere bei Ortunkenntnis sollten Sie einen ortskundigen Berater hinzuziehen, der die Microlage Ihrer Wunschimmobilie jetzt und auch mit Blick auf die Zukunft bewertet. Überlegen Sie sich, ob Sie die Investition „ableben“ können oder sie als Anlage dienen soll. Lassen Sie Ihren Kreditgeber alle Details des Angebotes prüfen, ebenfalls visionär.
Bitten Sie einen sachkundigen Bauexperten um ein Statement zur Substanz und Ausstattung. Welche Lebensdauer ist der Fassadendämmung beschieden, den Fenstern, der Heizungsanlage? Kommen eventuell Sonderumlagen schon nach 10 Jahren auf Sie zu? Wird aus dem angrenzenden Feldrand womöglich ein Gewerbegebiet?

Natürlich sind etliche Entwicklungen schwer vorherzusagen. Seriöse Berater werden Sie darauf hinweisen anstatt einfach nur mal in die Glaskugel zu blicken. Jedoch hat nicht nur die Entwicklung der Preise sondern auch bestimmter Ausstattungsmerkmale enorm an Fahrt aufgenommen, vermeintliche Werte verlieren sich entsprechend schneller, und was heute teuer eingerichtet wird kann schon bald noch teurer wieder zum Abriss verurteilt sein. Besitzer von Dieselfahrzeugen können Ihnen ein Lied davon singen, jedoch ist deren „Fehlinvestition“ in den wenigsten Fällen lebensbedrohlich.

Sichern Sie sich ab, und widerstehen Sie beim geringsten Zweifel solchen reinem Zeitgeist geschuldete Parolen, deren Haltbarkeit Sie Kopf und Kragen kosten kann.
Sorgen Sie mit Umsicht und Weitblick dafür, dass Ihre Investition Sie auf Dauer glücklich macht und nicht auf dem Amtsgericht ein trauriges Ende nimmt.

 
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